Die Citadella in Victoria

Der Besuch der Zitadelle (Citadella) ist im Hochsommer ein wenig schweisstreibend, es geht ein wenig bergauf. Der Besuch ist kostenfrei, es wird kein Eintritt genommen. Man sollte Zeit mitbringen, die engen Gassen sind einladend , es gibt viel zu sehen und für die kleine Pause zwischendurch ein gastronomisches Angebot. Im Sommer auf keinen Fall den Sonnenschutz vernachlässigen !

Die Zitaddele

Die Zitadelle von Victoria auf der maltesischen Insel Gozo, meist einfach „Cittadella“ genannt, erhebt sich eindrucksvoll auf einem natürlichen Felsen im Zentrum der Stadt und dominiert sowohl das Stadtbild als auch die gesamte Insel. Ihre Lage ist strategisch gewählt: Von den massiven Mauern aus bietet sich ein nahezu vollständiger Rundblick über Gozo bis hin zum Meer. Diese zentrale Position erklärt ihre enorme historische Bedeutung, denn die Anlage war über Jahrtausende hinweg das politische, militärische und religiöse Herz der Insel. Archäologische Funde belegen, dass der Ort bereits in der Bronzezeit besiedelt war, lange bevor er zur befestigten Stadt wurde. In der Antike entwickelte sich hier eine römische Akropolis, die als Verwaltungs- und Kultzentrum diente und damit den Grundstein für die spätere Bedeutung der Cittadella legte.

Geschichte

Im Mittelalter wandelte sich die antike Siedlung zu einer stark befestigten Burg, die als „Gran Castello“ bekannt war. Diese diente vor allem als Zufluchtsort für die Bevölkerung Gozos, die immer wieder von Piraten und korsarischen Überfällen bedroht wurde. Innerhalb der Mauern befanden sich zahlreiche Wohnhäuser, Kirchen und Lagerstätten, sodass die Zitadelle zeitweise wie eine kleine Stadt funktionierte. Besonders dramatisch war das Jahr 1551, als osmanische Truppen die Insel angriffen: Tausende Einwohner suchten Schutz in der Festung, doch nach kurzer Belagerung fiel sie, wurde geplündert und ein Großteil der Bevölkerung in die Sklaverei verschleppt. Dieses Ereignis hinterließ tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis der Insel und machte deutlich, wie wichtig eine stärkere Befestigung war.

Der Umbau

 

Als Reaktion auf diese Katastrophe wurde die Cittadella ab dem späten 16. Jahrhundert umfassend umgebaut. Unter der Leitung italienischer Militäringenieure entstand zwischen 1599 und 1622 eine moderne Festungsanlage im Stil der sogenannten Bastionsarchitektur („alla Italiana“). Besonders die südliche Seite wurde mit mächtigen Bastionen, Gräben und Verteidigungsanlagen verstärkt, während die nördlichen Mauern ihren mittelalterlichen Charakter weitgehend behielten. Diese Kombination aus mittelalterlicher Burg und frühneuzeitlicher Festung macht die Cittadella architektonisch einzigartig. Trotz der Modernisierung blieb die Anlage jedoch nicht dauerhaft militärisch relevant, und im Laufe der Zeit verfielen Teile der Bebauung, insbesondere im nördlichen Bereich. Dennoch blieb sie bis ins 17. Jahrhundert hinein der wichtigste Schutzraum für die Bevölkerung, die nachts sogar verpflichtet war, sich innerhalb der Mauern aufzuhalten.

Das Hier und Heute

 

Heute präsentiert sich die Cittadella als sorgfältig restauriertes kulturelles Zentrum und als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Maltas. Innerhalb der Mauern befinden sich zahlreiche historische Gebäude, darunter die Kathedrale Mariä Himmelfahrt aus dem 17. Jahrhundert, mehrere Museen sowie ehemalige Gefängnisse, Magazine und religiöse Einrichtungen. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die unter anderem von der Europäischen Union gefördert wurden, haben die Anlage in den letzten Jahrzehnten wieder in einen hervorragenden Zustand versetzt und gleichzeitig archäologische Schätze freigelegt, etwa alte Zugänge oder prähistorische Silos. Heute zieht die Zitadelle jährlich Hunderttausende Besucher an, die nicht nur ihre Geschichte erkunden, sondern auch die spektakulären Ausblicke genießen, die von ihren Mauern aus möglich sind. Damit ist die Cittadella nicht nur ein Monument der Vergangenheit, sondern auch ein lebendiges Symbol der kulturellen Identität Gozos.